Syrienfahrt

Eine Fahrt der KSG Kiel vom 18. bis 26. August 2009


Mesopotamien, das Land zwischen Euphrat und Tigris. Hier steht die Wiege unseres Glaubens.

Aus Haran, einer Stadt ganz im Norden des heutigen Syrien, brach Abraham zu seiner alles verändernden Reise in den Süden auf. Hierher floh auch Jakob vor dem Zorn seines Bruders Esau, nachdem er diesen um den väterlichen Segen betrogen hatte. In Haran fand Jakob dann eine neue Familie und zog schließlich wieder in den Süden zurück.Soweit die biblische Vorgeschichte, nachzulesen im Buch Genesis 12 – 31.

Tag 1, Dienstag

Auch wir, die KSG aus Kiel, machten uns im August diesen Jahres mit elf Studierenden auf, um in das Land Abrahams zu reisen. Am späten Nachmittag des 18. August 2009 starteten wir mit dem Flugzeug von Hamburg über Instanbul nach Aleppo, der größten Stadt Syriens, im Norden des Landes gelegen.

Tag 2, Mittwoch

Hochzeit
Anders als Abraham, der in Haran aufbrach mit ungewisser Zukunft, wurden wir in Aleppo bereits erwartet. Lara und Chahi Chahinian, zwei Geschwister aus Syrien, die zur Zeit in Kiel studieren, hatten uns eingeladen, ihr Heimatland zu entdecken. Sie erwarteten uns bereits am Flughafen in Aleppo. Ein Bus stand dort ebenfalls bereit. So machten wir uns auf, die Gegend zu erkunden, die bereits vor tausenden von Jahren von unseren Glaubensvätern und -müttern durchwandert worden war. Die vielleicht gefährlichste Etappe unserer Fahrt war direkt zu Beginn unserer Reise geplant.

Wir fuhren in den äußersten Nord-Osten Syriens, immer weiter der aufgehenden Sonne entgegen. Die Landschaft wurde zunehmend karger; weite Ebenen erstreckten sich vor unseren Augen. Gelegentlich wies ein ausgetrocknetes Flussbett auf den Regen hin, der hier schon lange nicht gefallen war.

Der August zählt zu den heißesten Monaten in Syrien, der Nord-Osten zur heißesten Region. Seit einigen Jahren ist die Niederschlagsmenge auf ein Viertel der bisherigen Menge gesunken. Auf den Feldern, die nun ausgedörrt vor uns lagen, wird zu anderen Zeiten des Jahres Baumwolle und Getreide angebaut.

Kurz vor unserem Ziel Qamishli versperrte eine Militärkontrolle unseren Weg. Ab jetzt begleitete uns ein Fahrzeug der Sicherheitspolizei auf unseren Fahrten durch die Großstadt Qamishli.

Am Ende der fünfstündigen Busfahrt wartete ein Hotel mit Pool auf uns, der vergessen ließ, dass der Wind hier keine Kühlung bringt, sondern nur heiße Luft bedeutet.

Nachmittags stand eine kurze Stadtbesichtigung auf dem Programm.

Syrer, Armenier, Aramäer, Asyrier, Kurden sowie Iraker, die hierher in der Zeit der Golfkriege geflohen sind, leben in Qamishli, einer Stadt mit 250000 Einwohnern. Es ist eine einfache Stadt, doppelstöckige Bauten reihen sich aneinander; viele sind renovierungsbedürftig. Müll prägt überall das Stadtbild.

Wir besuchten eine Sesamfabrik und trafen im Anschluss in den Räumen der armenisch- orthodoxen Kirchengemeinde eine Jugendgruppe. Ihre dreimonatigen Ferien, von Juni bis August, neigten sich langsam dem Ende entgegen, aber wir erfuhren, dass viele von ihnen auch in den Ferien private Unterrichte besuchen, um das Erlernte zu vertiefen. Die Perspektiven nach der Schule sind schwierig. Studienplätze sind ebenso wenig ausreichend vorhanden wie Ausbildungsplätze. Die Mädchen erzählten, dass sie im ungünstigsten Fall zuhause leben und auf eine Heirat warten würden. Die Familien leben in aller Regel als Großfamilie zusammen, Mädchen, die nicht heiraten, leben bei ihren Eltern; Alte werden selbstverständlich gepflegt. Die Familie bietet Schutz, Halt und Unterstützung. Als wir uns verabschiedeten, ist bereits ein Treffen am Pool für den nächsten Tag verabredet.

Der Tag endete mit einem Höhepunkt: wir waren eingeladen zu einer armenisch - orthodoxen Hochzeit. Um 21.00 Uhr begann die kirchliche Trauung, in deren Verlauf das Brautpaar gekrönt wurde; Ausdruck der besonderen Stellung der beiden an diesem Tag ihres Lebens.

Im Anschluss machten sich die Hochzeitsgäste auf den Weg zur Feier. Das Brautpaar hingegen brach auf, um ein Lamm zu schlachten und stieß erst gegen 24.00 Uhr wieder zur Hochzeitsgesellschaft. Gefeiert wurde unter freiem Himmel bei arabischer Musik, gutem Essen und Tanz bis in die Morgenstunden hinein.

Tag 3, Donnerstag

Am nächsten Tag fuhren wir zu einigen Nachbardörfern von Qamishli. Wir erlebten in einer aramäischen Kirche namens Mar Aho das Abendgebet, trafen dort einen Arzt, der arabische Medizin anwendet. Schließlich wurden wir eingeladen, eines der typischen Lehmhäuser zu besichtigen. Drei schlichte Wohnräume reihen sich aneinander. Die Decke besteht aus Holzbalken, hölzernen Planken und einer aufgelegten Lehmschicht. Gegen den Regen stellt man entweder Eimer auf, die das Wasser auffangen oder spannt eine Plane unter die Decke. Gerahmt wurde das Haus durch einen liebevoll gepflegten Garten. Geschützt durch eine hohe Mauer entfalten sich dort die verschiedensten Früchte. Mit einem üppigen Abendessen in Qamishli ging der Tag dann zu Ende.

Tag 4, Freitag

Zitadelle
In aller Frühe reisten wir zurück nach Aleppo. Wieder führte uns der Weg durch das weite, offene Land. Doch mittlerweile nahmen wir die Landschaft genauer wahr. Windhosen trieben den Sand vor sich her. Staubwolken am Horizont wiesen auf eine Schafherde hin, die auf Eseln reitenden Hirten begleitet wurde. Manche von ihnen suchten auf dem Boden im Schatten der Strommasten Schutz vor der sengenden Sonne.

Bei diesen Eindrücken beginnt man die arabische Musik, ihre Rhythmik,und ihre Vitalität zu verstehen, mitreißend, lebensstiftend. Nomaden leben am Wegesrand in Zelten.

Immer wieder kehrten meine Gedanken zurück, zum Beispiel zu Elija.... - er bittet eine Frau, ihre letzten Vorräte für seine Ernährung herzugeben. Es hatte nicht geregnet...Kein Problem sich vorzustellen, dass Elija in dieser Gegend auch heute zu Fuß unterwegs sein könnte....1 Könige 17ff.

Aleppo mit ihrer viertausendjährigen Geschichte, ursprünglich Karawanenhandelspunkt und begehrter Umschlagplatz auf der Seidenstraße.

Nach einem Frühstück machten wir uns auf, um die dortige Zitadelle zu besichtigen. Seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. gibt es an dieser Stelle bereits eine Schutzburg; die heutige Form entstand im 12. Jahrhundert n. Chr.. Über ein beeindruckendes Brückenportal stiegen wir zum Eingang empor. Die Zitadelle beherbergt u.a. eine Kirche, die im Lauf der Geschichte zur Moschee umgewandelt wurde. Ferner ist dort ein gut restaurierter Hammam und ein phantastischer Thronsaal zu sehen, der auch heute gelegentlich für offizielle Empfänge syrischer Staatsbediensteter genutzt wird.

Am Nachmittag besuchten wir die Hauptmoschee von Aleppo. Ein großer Innenhof eingefasst von Säulenreihen, unter denen heute einige Blinde und Gelähmte sitzen. Wieder drängen sich mir Erinnerungen an biblische Erzählungen auf ...Mk 8,22ff. Ein geräumiger länglicher Innenraum bietet den Gläubigen die Möglichkeit zum Gebet. Allerdings wird dieser Raum lediglich von Männern für das Gebet genutzt. Frauen treffen sich in einem eigenen Raum. Die Moschee hielt für die Frauen unserer Gruppe eine besondere Überraschung parat, alle mussten sich einen mantelartigen Überwurf anziehen, um angemessen gekleidet zu sein. Eine echte Herausforderung bei den heißen Temperaturen.

Abends Stadtrundgang: Besichtigung einer katholisch -orthodoxen Kirche namens Mar Georgos, dann die Zitadelle in nächtlicher Beleuchtung, gegenüber Straßenlokale, selbstverständlich mit Wasserpfeifennutzung... Ein schöner Ausklang eines ereignisreichen Tages und auch hier eine Überraschung: Einige Tische des Lokals waren von Frauengruppen belegt, mit Schleier angetan und Wasserpfeife rauchend. Leider ereignete sich an diesem Abend ein Unfall: Lara Chahinian brach sich beim Aussteigen aus dem Bus den Fuß und musste in Aleppo zurück bleiben.

Tag 5, Samstag

Suq
Eine circa einstündige Busfahrt brachte uns zum Simeonskloster. Der heilige Simeon lebte im 4. Jahrhundert n. Chr.. Ursprünglich gehörte er einer Gruppe von Gläubigen an. Sein Wunsch, ein sehr zurückgezogenes und enthaltsames Leben führen zu wollen, stieß allerdings auf Ablehnung seiner Gefährten. Somit zog Simeon sich zurück ins Gebirge und lebte allein. Inmitten der heute noch zu besichtigen Reste der Kirchen- und Klosteranlage, die nach seinem Tod dort erbaut wurde, befindet sich ein Säulenfuß mit einem gewaltigen Felsen. Dieser Ort markiert den Platz, an dem Simeon 30 Jahre lang gelebt haben soll. Er verbrachte der Überlieferung nach den Tag auf einer 10 Meter hohen Säule. Nur zum Schlaf und zur Nahrungsaufnahme verließ er diesen Platz, ein Ort, dessen friedvolle Atmosphäre auch heute noch berührt.

Zurück in Aleppo: Besuch des Suqs, des einmaligen Marktes von Aleppo. Der Suq, der sich über eine Strecke von 12 km erstrecken soll, gehört zu den berühmtesten der Welt. Unter gewölbeartigem Mauerwerk reihen sich die Stände der Händler dicht an dicht. Hier findet man alles, was das Herz begehrt: besonders beeindruckend Gewürze, Tücher, Seifen...ein Paradies für Souvenirjäger. Aber auch hier hieß es: die Zeit drängt.

Erstaunlich war, dass die engen Gassen des Suqs auch Platz für Esel und sogar kleine Lieferwagen bieten. Bei der Rückkehr wurden wir Zeuge eines Handgemenges: es flogen Wasserflaschen durch die Luft und sofort erschienen Ordnungskräfte, ausgestattet mit langen Holzknüppeln, die auch zum Einsatz kamen, um die Unruhe zu beenden.

Im Fall von schweren Verbrechen wird in Syrien heute noch die Todesstrafe verhängt. In unmittelbarer Nähe des Suqs gibt es einen großen Uhrturm, an dem die öffentliche Hinrichtungen durch Erhängen stattfinden.

Am Abend besuchten wir eine armenisch - orthodoxen Kirche namens Karasun Manug (40 Märtyrerkinder), in der ein wundertätiges Kreuz verehrt wird.

Anschließend genossen wir dann einen kleinen kulinarischen Streifzug mit leckeren Früchten von Kakteen. Ein besonderen Laden bot auf riesigen Tortenböden unterschiedlichste Süßspeisen zum Kauf an.

Tag 6, Sonntag

Kamelreiten in Palmyra
Am frühen Sonntagmorgen: Aufbruch nach Palmyra, der sagenumwobenen Wüstenstadt, an der Seidenstraße gelegen, nach einem Erdbeben im 10. Jahrhundert n.Chr. verlassen.

Die Anfahrt dorthin gestaltete sich als Abenteuer. Zunächst führte uns die Fahrt an Oliven- und Piniehainen vorbei. Die Pinien wurden gerade geerntet und frisch am Wegesrand verkauft. Die Landschaft wurde immer karger. Nirgends waren Hinweisschilder, die Straße wurde schmaler und zusehends holpriger. Dann gab es überall nur noch Wüste, Felsen und Weite. Wir befanden uns auf der Seidenstraße Richtung Palmyra. Alles wirkte wie ausgestorben: Wüste und unberührte Natur. Schließlich erhob sich vor uns ein Höhenzug, auf dem eine Zitadelle erkennbar war. Nach steiler Anfahrt erreichten wir den Zugang zur Zitadelle namens Sanubia (Die Königin). Eine schmale Holzbrücke führte über einen Abgrund in die Zitadelle hinein. Ein wunderbarer Ausblick bot sich: Palmyra, die antike Stadt, lag zu unseren Füßen, ehemals eine blühende reiche Handelsstadt und wichtige Karawanenstation. Nach einem Gang durch die Zitadelle und mit einem Blick in die Küche, Schlafräume sowie die Verteidigungsanlagen erreichten wir Palmyra. Neben den antiken, guterhaltenen Säulenanlagen, die die ehemalige Hauptstraße säumten, erwarteten uns Kamele. Diese trugen uns durch die ehemaligen Handelsstraßen von Palmyra. Sie machen ihrem Namen „Wüstenschiff“ alle Ehre und schaukelten uns gemächlich voran. Palmyra wurde aufgrund der Einfuhrzölle, die in der Antike auf die Waren erhoben wurden, zu einer reichen Stadt. Manche Karawanen waren ein bis zwei Jahre unterwegs, bevor sie Palmyra erreichten. Die Waren wurden dort umgeschlagen und danach der Rückweg in alle Welt angetreten.

Nach der offiziellen Führung blieb Gelegenheit, die Gegend selbst ein wenig zu entdecken. Direkt neben der antiken Stätte steht eine hohe Mauer, deren Tor geöffnet ist. Hier befindet sich heute eine Oase: Wasser sprudelt aus einem Brunnen, im Garten meterhohe Olivenbäume, Granatäpfel-und Feigenbäume und auch andere Apfelsorten. Der Garten ist durchzogen von einem Bewässerungssystem, das regelmäßig mit Wasser gespeist wird. Die Besitzer erklärten uns, dass die Olivenbäume, die wir sehen, bereits 100 Jahre alt sind und erst fünf Jahre nach Anpflanzung erste Früchte tragen. Jetzt wird verständlich, was es heißt, für seine Kinder und Kindeskinder einen Baum zu pflanzen. Wir wurden zum Tee eingeladen, mussten dann jedoch leider absagen, da die Fahrt weiterging...

Abends erreichten wir den Ort Mashta Alhlou und feierten im Hotel auf einer geräumigen Außenterrasse Heilige Messe. Was für ein Tag!

Tag 7, Montag

Tartus Hafen
Nach dem Frühstück: Aufbruch Richtung Tartus. Geplant waren ein Strandtag und Besichtigung einer Insel. Nach gut einstündiger Fahrt erreichten wir den Strand von Tartus. Zunächst passierten wir zahlreiche Plakate, die den syrischen Staatspräsidenten Assad zeigen. Die Plakate mit dem Bildnis Assads finden sich übrigens überall im Land, selbst in Kirchenräumen. Dann eine Militärkontrolle: Alle Teilnehmer mussten ihren Reisepass abgeben; danach wurde festgelegt, welchen Strand wir besuchen durften. Für uns kam nur der Strand für Individualreisende in Frage. Der Familienstrand war nicht für uns zugängig. Alle Maßnahmen sollen dazu dienen , die Frauen vor den neugierigen Blicken zu schützen.

Schließlich der ersehnte Strand; Sonnenschirme spendeten Schatten, die Brandung war relativ stark. Das Wasser brachte keine Kühlung, da es fast so warm war wie die Außentemperatur. Trotzdem machte es Spaß: baden, Volleyball spielen, lesen, einfach einmal faulenzen.

Am späten Nachmittag brachen wir in Richtung Tartus-Hafen auf. Wir charterten ein Boot und fuhren zur Arwad-Insel, ein kleines Eiland vor Tartus. Enge Gassen ziehen sich durch die Häuser, Gardinen im Hauseingang verwehren den Blick ins Innere der Häuser und damit ebenso auf deren Bewohner. Wir trafen einen Einheimischen, der uns zusammen mit seinem kleinen Sohn den Weg zum Strand wies. Ein Idyll erwartete uns: Felsen, die flach ins Meer vorgelagert sind. Jedoch gab es auch hier, wie eigentlich überall im Land, Müll. Die Menschen werfen ihren Abfall einfach aus dem Fenster, so dass sich die Müllberge vielerorts auftürmen. Lediglich in der Wüste waren am Straßenrand keine Mülltüten zu finden, sonst waren sie unser ständiger Begleiter. Bei Sonnenuntergang erreichten wir mit dem Schiff den Hafen.

Zurück in Mashta Alhlou machten wir einen Abendspaziergang durch den Ort, entdeckten Skulpturen, naschten an verschiedenen Ständen einige Leckereien und kehrten ins Hotel zurück.

Tag 8, Dienstag

Zitadelle Krak des Chevaliers
Beim Frühstück stellte sich heraus, dass einige aus unserer Reisegruppe mit starken Magenverstimmungen zu kämpfen hatten. Dennoch mussten wir aufbrechen. Nach einem kurzen Arztbesuch war dies auch möglich. Zunächst statteten wir noch im Ort den Salesianern einen Besuch ab. Sie unterhalten in Mashta Alhlou ein Kloster, dass in den Sommerferienmonaten betrieben wird, um Jugendlichen aus dem ganzen Land Ferienmöglichkeiten zu bieten. Alle 10 Tage wechseln die Jugendgruppen, damit erneut circa 100 Jugendliche an diesem Ort ihre Freizeit verbringen können.

Die nächste Station war eine Tropfsteinhöhle. Lediglich die ersten 500 Meter sind bereits erforscht und für Touristen zugängig. Seit der Entdeckung und Öffnung der Höhle und der damit geänderten Luftzufuhr bilden sich die Stalaktiten und Stalakmiten nicht mehr weiter aus. Man vermutet, dass die Höhle bis in den Libanon hinein reicht.

Auf der Fahrt von Mashta Alhlou Richtung Tartus erreichten wir ein Kloster St. Gregorius. Bereits im Jahr 900 n.Chr. lebten hier Mönche. Sie ließen sich in ihrem Kloster einmauern und waren mit der Außenwelt lediglich über einen Korb, der an einem Drahtseil nach oben gezogen wurde, verbunden. Nur jeweils einer der Mönche verließ das Kloster mit dem Auftrag, das Evangelium in der Welt zu verkünden. Nach mehreren Jahrhunderten, im Jahre 1500 n. Chr., wurde zunächst oberhalb des Klosters ein neuer Kirchenraum errichtet. Vor einigen Jahren ist darüber ein weiterer errichtet worden. Heute leben in dem Kloster zwei Mönche. Die Zukunft für diese beiden scheint ungewiss.

In Sichtweite des Klosters liegt die Zitadelle Krak des Chevaliers (Qala ´at al-Husn). Erster Bauabschnitt war 1031. In den folgenden Jahren wurde die Burg u.a. in Zusammenhang mit den Kreuzzügen erweitert. Heute umfasst sie 30000 Quadratmeter. Beim Aufstieg in das Innere der Burg passiert man mehrere Pferdeställe, die jeweils ein bis zweihundert Pferde beherbergten. Bis zu 2000 Ritter lebten in Spitzenzeiten auf der Burg. Eine Außenmauer und ein Wassergraben schützten den inneren Burgteil. Auch hier waren Maßnahmen zur Abwehr der Feinde ergriffen worden. Sie ermöglichten einen Rückzug in höhere Teile der Burg. Die Zugänge bestanden lediglich aus hölzernen Leitern, die bei Gefahr entfernt wurden. Wasserleitungen führten zu Badeanlagen und Wassertoiletten. Neben Rittersaal, Schlafquartieren und Speisesaal verfügte die Zitadelle auch über eine Kirche, die 1271 mit der Eroberung der Burg durch die Muslime in eine Moschee umgewandelt wurde. Das Zusammenleben der Ritter war durch sogenannten runde Tische geregelt, an denen Strategie und Vorgehensweise besprochen wurde. Vom Dach der Zitadelle kann man den herrlichen Blick ins Umland genießen.

Von Qala `at al-Husn führte unsere Fahrt zurück nach Aleppo. Bei einem letzten Gang durch die Straßen Allepos wurden Geschenke erworben. Sehr begehrt waren u.a. Wasserpfeifen. Dann ging es noch einmal in das Straßencafe direkt vor der Zitadelle: ein letzter Tee, ein kurzes Schmauchen an der Wasserpfeife und dann hieß es, zum Flughafen aufzubrechen.

Nachts um 3.45 Uhr hob die Maschine in Aleppo Richtung Istanbul ab, nachdem wir uns von Chahi Chahinian verabschiedet hatten, der noch einige Tage in Aleppo blieb. Gegen 10.30 Uhr landeten wir in Hamburg, bis auf den gebrochenen Fuß von Lara Chahinian und diversen Durchfallerkrankungen unbeschadet. Es war eine unvergessliche Fahrt, die uns mit den Augen zweier christlicher Armenier die nördliche Hälfte Syriens entdecken ließ.

Euch Chahi und Lara, tausend Dank für dieses große Geschenk.

Reiseeindrücke von Sabine Kamp, Studierendenseelsorgerin der KSG Kiel (im August 2009)

Biblische Assoziationen frei entsprechend den landschaftlichen Eindrücken.